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Chancen der Finanz- und Wirtschaftskrise aus weiblicher Sicht | Chancen der Finanz- und Wirtschaftskrise aus weiblicher Sicht |
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Frau Professor Dr. Gerda Lischke von der Universität Leuphana Lüneburg stellte am 7. April 2010 im Frankfurter Presseclub einem interessierten Publikum die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise aus weiblicher Sicht vor. Die Moderation lag bei BPW-Mitgliedsfrau Katharina Lohse, die berichtete, dass Frau Prof. Dr. Lischke in Berlin und USA Wirtschaftswissenschaften studiert und Abschlüsse als graduierte Betriebswirtin und Diplom-Volkswirtin absolviert habe. Später konzipierte und leitete sie Existenzgründungsseminare für Frauen. Seit 1995 arbeitet sie an der Universität Lüneburg mit den Schwerpunkten Existenzgründungs-Lehre und Finanzdienstleistungen. Dreizehn Jahre lang gehörte sie dem Aufsichtsrat einer Genossenschaftsbank an, und sie ist Mitglied im Gründungsnetzwerk für Unternehmerinnen von Klein-betrieben. In ihrem Vortrag berichtete die Referentin zunächst über die Historie früherer Wirtschaftskrisen und deren Auswirkungen, bis hin zu der aktuellen weltweiten Finanzkrise, die sich im Oktober 2008 zuspitzte. Als deren Ursache identifizierte sie die von der Politik durchgeführte Deregulierung der globalen Fi-nanzmärkte, die die massive internationale Spekulation und Blasenbildung erst ermöglicht habe. Schließlich ausgelöst worden sei die derzeitige Wirtschafts- und Finanzkrise von der Immobilienkrise in USA, der ein immenser Anstieg der Vergabe von Hypothekenkrediten vorausgegangen war. Der von stark steigenden Zinsen ausgelöste Rückgang der Immobilienpreise führte bei zahllosen Amerika-ner/Innen zu Zwangsversteigerungen. In großem Ausmaße hatten die finanzierenden US-Banken die Hypothekenkredite gebündelt und an in- und ausländische Banken verkauft. Der gewaltige Werteverfall dieser Kreditbündel hatte zur Folge, dass es bei vielen - auch deutschen - Banken zu riesigen Verlusten kam und Lehman Brothers Insolvenz anmeldete. Um den Zusammenbruch ihrer Bankensysteme und damit der Kreditversorgung der Wirtschaft zu verhindern, schritten die Regierungen weltweit zu Rettungspaketen in Milliardenhöhe. Dennoch waren der Rückgang der Immobilienpreise und ein Einbruch der Aktienkurse nicht aufzuhalten. Selbst einige Staaten gerieten an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Daraus ergaben sich bei uns in Deutschland ein Rückgang der Wirtschaftstätigkeit und damit ein Druck auf die Beschäftigung, der vielfach nur durch Kurzarbeit aufgehalten werden konnte. Die Frage, ob Lehman "Sisters" die Krise hätten verhindern können, ließe sich zwar nicht eindeutig bejahen, aber es gebe etliche Studien, die Frauen im Umgang mit Geld als umsichtiger, nachhaltiger und weniger spekulativ kennzeichneten. Auch ihr Vorgehen bei Gründung und Wachstum von Unternehmen gehe in die gleiche Richtung. Betriebe von Frauen lebten länger. Die psychosoziale Bedeutung des Geldes besage, dass bei positiven Assoziationen Geld von Männern am häufigsten in Verbindung mit Erfolg und Macht, bei Frauen mit Sicherheit und Selbständigkeit gesehen werde. Zu der Frage, welche Chancen die Finanz- und Wirtschaftskrise mit sich bringe, führte Prof. Lischke aus, dass es entscheidend darauf ankommen werde, ob nicht nur immense Mittel zur Bankenrettung, sondern auch für Bildung, Forschung, Erziehung und Pflege, also für gesellschaftliche Belange ausgegeben würden. Unter dieser Voraussetzung würde es sich lohnen, sich für eine Gesellschaft einzusetzen, die Vielfältigkeit achte und unterstütze. Abschließend wies die Referentin darauf hin, dass eine neue globale Studie aufzeige, dass die in und nach der Krise erforderlichen Führungseigenschaften häufiger Frauen zu eigen seien. Es bestünden daher insbesondere Chancen für Führungsfrauen. Annette Schöneich, BPW Club Frankfurt am Main |
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