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Was macht Arbeit zukünftig aus? Wo entstehen neue Arbeitsplätze? Wo kommen die Arbeitskräfte her? Moderiert von Clubfrau und Arbeitsmarktforscherin Dr. Christa Larsen diskutierten am 2. Juni 2010 im Frankfurter Presseclub Kirsten Frohnert (IFOK) und Andrea Herrmann-Schwetje (Bundesagentur für Arbeit). Frau Frohnert studierte Anglistik, Geographie und Pädagogik und ist nach einer Tätigkeit in der Erwachsenenbildung seit 2002 beim IFOK-Institut beschäftigt, seit 2008 Mitglied der Geschäftsleitung und ver-antwortlich für den Bereich Beschäftigung. Frau Herrmann-Schwetje ist Volljuristin und seit 1993 bei der Bundesagentur für Arbeit (Regionaldirektion Hessen) tätig, heute in Teilzeit. Seit über 10 Jahren bekleidet sie eine Leitungsfunktion und ist seit 2005 Leiterin des Stabes "Chancengleichheit", der alle 13 hauptamtlichen Beauftragten für Chancengleichheit der Bundesagentur in Hessen betreut. Die Leitfrage des Abends lautete: Haben Frauen zukünftig tatsächlich Vorteile in der Arbeitswelt? Dazu hielten die Referentinnen nachein-ander Impulsreferate und diskutierten anschließend - auch auf Zuruf aus dem Publikum - wie sich Frauen auf die Veränderung der Arbeitswelt vorbereiten können und welche gesellschaftlichen Aufgaben sich in diesem Kontext stellen.
Frau Herrmann-Schwetje hob hervor, mit der Globalisierung und dem technologischen Wandel gingen hohe Qualifikationsanforderungen und das Bedürfnis nach kontinuierlicher Weiterbildung einher. "Normalarbeitsverhältnisse" stünden versus Minijobs, Teilzeit und Leiharbeit. Die Erwerbsquote von Frauen sei in den letzten Jahren gestiegen, jedoch überwiegend im Teilzeitbereich. Während 95% der Männer sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen hätten, gelte dies nur für 63% der Frauen (mehr im "Genderbericht" der Arbeitsagentur Hessen). Zugleich steige vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung die Nachfrage nach Fachkräften. Auch der Arbeitskräftebedarf in den MINT-Bereichen (Mathematik, Ingenieur-, Naturwissenschaften, Technik), im Pflegesektor und der Kinderbetreuung nehme zu. In beiden letztgenannten Sektoren sollen zunehmend auch Männer angesprochen werden. Wegen des tradierten Rollenverständnisses und nicht in ausreichendem Maße vorhandener Betreuungsmöglichkeiten für Kinder werde es jedoch weiterhin Wettbewerbsnachteile für Frauen geben. Zugleich bieten nach Frau Herrmann-Schwetjes Worten flexiblere Arbeitsstrukturen nicht nur die Chance auf eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen, sondern bergen auch das Risiko, dass sie noch stärker in wenig oder nicht abgesicherte Bereiche abgedrängt werden.
Lt. Frau Frohnert entsteht die Beschäftigung der Zukunft für Frauen primär in innovativen Bereichen, z. B. in jungen Branchen ("green jobs", "green careers") und im Dienstleis-tungssektor (Dienstleistungsgewerbe, wissensbasierte und Familien unterstützende Dienstleistungen, Kreativwirtschaft etc.). Gleichzeitig eröffne der Fachkräftebedarf in den sog. "Männerberufen" (u. a. MINT) neue Chancen. Sie machte deutlich, dass der Fachkräftemangel nicht nur drohe, sondern bereits existiere; für 2015 werde ein Mangel von 3 Mio, für 2020 von 5 Mio erwartet. Das Potenzial für die Schließung dieser Lücke er-blicke sie bei den Frauen zwischen 25 - 45 (ca. 1,9 Mio), ferner bei Männern und Frauen über 50 und Migranten. Bei letzteren stelle vor allem die Nichtanerkennung ausländischer Berufsabschlüsse (noch?) ein gravierendes Hemmnis dar.
Die Diskussion mit den Teilnehmerinnen offenbarte schließlich ein sehr unterschiedliches Bild der Einschätzung der Zukunftschancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und die Möglichkeiten eines "Gegensteuerns". Aufhänger war ein treffend betitelter Artikel der Frankfurter Rundschau vom selben Tag, wonach die Zukunft den jungen deutschen Män-nern gehöre.
Beide Referentinnen betonten, für Frauen seien neben dem Bewusstsein über die eigenen Stärken Aktivität und Weiterbildung essenziell, was sowohl zeitliches als auch finanzielles Engagement erfordere. Kirsten Frohnert beklagte die in Deutschland anzutreffende Abschlussorientierung und forderte eine "Anschlussorientierung" für lebenslanges Lernen mit der Konzentration mehr auf Kompetenzen als auf einen bestimmten Beruf. Hilfe bei der Orientierung als solcher könnten auch Angebote der Bundesagentur für Arbeit leisten. Andrea Herrmann-Schwetje verwies z. B. auf den "COMPASS Berufsrückkehr" und ein in Kassel bestehendes Bündnis für Familie. Auch Selbständigen biete die Bundesagentur für Arbeit gewisse finanzielle Unterstützung an. Frau Frohnert empfahl Selbständigen, sich unbedingt die Frage zu stellen "Wer sind meine Kunden von morgen?" und sich gezielt nach deren Bedürfnissen zu richten. Auf den gesamtgesellschaftlichen Kontext bezogen seien politische Initiativen dringend notwendig. Die Frage, wie wir zukünftig leben wollen, sei mit der Arbeitswelt auf das Engste verknüpft. Der BPW solle sich aktiv in die Diskussion einbringen.
Dr. Julia Kurzrock, BPW Club Frankfurt am Main
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